Corona und Kleidung

- Lila, 05.04.2020 -

Warum denn das? Ein Blogbeitrag zu Klamotten in Zeiten der Pandemie? Haben wir gerade nichts besseres zu tun? Nee, haben wir nicht. Also ich nicht. Zumindest nichts, was ich gerade gut tun könnte.

Und offensichtlich viele andere auch nicht, die ihre Zeit gerade dazu nutzen, im Online-Handel die Kleiderstangen leer zu shoppen. Das ist aus vielen Gründen schlecht, hier eine kleine, unvollständige Liste:


- schlecht für den lokalen Einzelhandel wegen der Umsatzeinbrüche jetzt und nach der Wiedereröffnung (man hat ja schon alles Zuhause und hat sich auch an das so schön einfache Onlineshopping gewöhnt)

- schlecht für die Paketdienste, die wegen der zusätzlichen Belastung nun noch mehr Stress haben (auch die haben z.B. Kinder die grad nicht in Kita/Schule gehen die betreut werden müssen, Zukunftsängste, Angst um ältere Verwandte, etc.)

- schlecht für #flattenthecurve, weil, wenn ein Paketbote dann infiziert ist, er durchaus auch die alte Oma Berger anstecken kann, die von ihm gerade ihre Stützstrümpfe geliefert bekommen hat. Auch Paketboten sollten so wenig Kontakt wie möglich haben. Also nur notwendige Pakete ausliefern.


Und natürlich wie immer:

- Wasserverschwendung beim Anbau von Baumwolle (2700 l für ein T-Shirt)

- Kinderarbeit und Missachtung der Menschenrechte in den Produktionsländern

- Mikroplastik, das sich aus Polyesterkleidung auswäscht und in der Umwelt landet (Faustformel: je neuer und kuscheliger der Plastikstoff, desto mehr Mikroplastik entsteht beim Waschen)

- Chemikalien in den Stoffen, die den Menschen in der Produktion und den Menschen, die sie tragen, erheblichen Schaden zuführen

- Co2-Ausstoß bei Transport und Produktion


Ja, aber wie sehen denn die Alternativen in Zeiten der Coronakrise aus?

Ganz einfach, es sind fast die Gleichen wie immer:


1. Stell dir die wichtigste Frage zuerst: Brauchst du tatsächlich jetzt unbedingt neue Kleidung? Oder ist das gerade nur eine Beschäftigung, weil du Lust auf was schickes Neues hast, weil Frühling ist und die Situation in der Krise dich stresst?

2. Probier dich mal am Upcycling von Klamotten. Das Internet ist voll von wunderschönen, tollen, funky Ideen was man mit Kleidungsstück X alles noch machen kann. Und wenn das Ergebnis dir nicht gefällt, egal. Mach ein Foto und verkauf es als moderne Kunst.

3. Du hast 2 linke Hände? Dann organisier eine Messenger-Kleidertauschparty: jeder postet Fotos von seinen aussortierten Schätzen und schmeißt es dem neuen Besitzer in den Briefkasten.

4. Immer noch nicht zufrieden? Kaufe Second Hand. Es gibt viele Online-Plattformen bei denen Privatpersonen an Privatpersonen Kleidung verkaufen (und denk an den Paketboten kaufe nur notwendiges!)

5. Und falls all das richtige, einzig wahre Teil, was du jetzt unbedingt brauchst um die Corona-Krise zu überstehen immer noch nicht bei dir ist: Kaufe regional und nachhaltig, die großen Bio-Marken haben fast alle einen Onlineshop.


Und all jenen, die ihre Zeit gerade nutzen, um ihren Kleiderschrank mal wieder auszumisten, sei gesagt: bitte nehmt die Altkleidercontainern nur als allerletzte Option. Hebt die Sachen auf bis die Heilsarmee/das Sozialkaufhaus/der Secondhandladen in eurer Region wieder offen sind oder verfolge Punkt 4. oder 5. Wer nachhaltig mit seiner Kleidung umgehen möchte, sollte verhindern, dass sie, nachdem sie aussortiert wurde, noch einmal rund um den Globus wandert.